diese Seite widme ich meinem Tanzvater, Alain Bernard, von dem ich in vielerlei Hinsicht etwas lernen durfte.
Lieber Alain, ganz herzlichen Dank für alles....
Alain Bernard
Tänzer, Choreograph, Tanzpädagoge
Pionier des Jazztanzes in der Schweiz
"Nul est prophète dans son pays!" schrieb die berühmte
Flamencotänzerin Susana in einem Brief an Alain, in welchem sie
ihm zum 25jährigen Jubiläum seiner Schule gratulierte.
Damit hat sie ja wohl leider recht, denn es ist unbegreiflich, dass
seinem Wirken im In- und Ausland von seiten der Schweiz nicht mehr
Aufmerksamkeit zuteil wurde.
Alain
Bernard gilt als Vater des Jazztanzes, unter anderem in der Schweiz und
in
Polen, wo er allerdings nur mit Berufstänzern arbeitete.
Jahrzehntelang war er DER massgebende Lehrer und Choreograph für
Jazz- und
Musicaltanz.
Mit zirka 20 Jahren begann er eine klassische Grundausbildung bei
Béatrice Tschumi in Bern. Die Grundlagen für seinen anfangs
der 60er-Jahre so erfrischend neuen Tanzstil erwarb er dann jedoch
in New York in namhaften Schulen wie derjenigen von Martha Graham
(Modern Dance), der School of American Ballet (Klassisch) und
bei Lehrern wie Frank Wagner und Walter Nicks (Jazz).
Er war in vielerlei Hinsicht ein Pionier. 1966 choreographierte er die erste getanzte Modenschau in
der Schweiz für Oscar Weber. Mit "Jazz Getanzt I" präsentierte er mit
seinen Schülern - meist Laien - ein vollständiges Programm in Zürich und Bern; mit
"Jazz Getanzt II" und seiner "Jazz Dance Studio Company Alain Bernard"
machte er im Jahre 1970 eine Tournée. In einem seiner Programmhefte äussert er sich zu Herkunft und Entwicklung des Jazztanzes. Aber lesen Sie selber!
Machen wir jedoch einen Schritt zurück. Bereits 1959 eröffnete er an der Brunngasshalde in Bern unter dem Namen
"Tanz-Studio Alain Bernard" seine eigene Schule. Nach und nach eröffnete er auch in
anderen schweizer Städten Filialen (1964 Biel, 1965 Basel, 1971 Solothurn) und gab unzählige Gastkurse im In- und Ausland (vor allem Deutschland und Osteuropa).
1970 wurde aus dem "Tanz-Studio Alain Bernard" das "Tanz- und Theaterstudio Alain Bernard", die erste Musicalschule der Schweiz überhaupt.
Nebst den gut besuchten Laienkursen gab es nun also erstmals die
Möglichkeit, in der Schweiz eine Berufsausbildung für Musical zu absolvieren, und das mit einem beachtlich
vielseitigen Lehrplan. Hauptschwerpunkte: Tanz (Klassisch, Jazz, Modern, Spanisch, Step), Schauspiel, Sprecherziehung, Rollenstudium, Gesang; daneben viele Nebenfächern wie u.a. Anatomie, Methodik,
Psychologie etc. sowie unzählige Gastkurse mit auswärtigen Lehrern
aus dem In- und Ausland (Commedia del'Arte, Pantomime, Expression
Corporelle, Spanischer Tanz, Indischer Tanz, Phillipinischer Tanz
usw.).
Durch die enge Angliederung an das "Studio am Montag" wurde mit
den Musical-Schülern der oberen Stufe jeweils ein Kindermusical
erarbeitet und zur Aufführung gebracht. Die Schüler hatten zudem
Gelegenheit, bei anderen Inszenierungen des "Studio am Montag"
mitzuwirken und so die praktische Arbeit an einem Theater von
verschiedensten Seiten kennenzulernen.
Im "Tanz und Theaterstudio Alain Bernard" konnte man jedoch auch
"nur" eine Ausbildung zum Jazztanz-Pädagogen durchlaufen.
Insgesamt 5 Mal führte Alain zwischen 1971 und 1979 einen Internationalen Sommerkurs für Tanz in Bern durch. Namhafte Lehrer aus dem In- und Ausland unterrichteten eine faszinierte Schülerschar.
Im Laufe der Jahrzehnte hat Alain - so ganz nebenbei - mit zirka 3800 Titeln eine der umfassendsten Tanzbibliotheken überhaupt
zusammengestellt. Viele Werke sind in Sprachen abgefasst, die er nicht
versteht und somit selber gar nicht lesen konnte. Sein Wunsch
nach einer gewissen Vollständigkeit ging über ein rein persönliches
Interesse und zeugt von einem seiner herausragendsten Charakterzüge -
Grosszügigkeit.

Alain war schon immer ein fantastischer Pädagoge mit einem
ausgesprochenen Sinn für Humor; ein Wortakrobat mit unglaublichen
Charme. Endlos lang war die Liste der Übernamen, die er seinen
Schülerinnen und Schülern gab. Sumsum, Mater dolorosa und viele mehr.
Seine in zweierlei Hinsicht oft treffenden Vergleiche sind legendär:
das Hängebauchschwein, die schwangere Bergente, das gekochte Spaghetti
und die Büchse Tubifex - all seinen Ehemaligen ein Begriff.
Alains Art der Didaktik hat die meine nachhaltig geprägt. Auch ich
arbeite sehr stark mit Bildern, die oft mehr sagen als tausend Worte.
Unter Hinweis auf die Quelle muss auch ich ab und zu auf die Büchse Tubifex zurückgreifen.
1991
schloss Alain Bernard sein Tanzstudio in Bern, um sein Arbeitsfeld als
Choreograph und Pädagoge endgültig nach Osteuropa zu verlegen.
Wer sich etwas mehr mit dem Leben und Schaffen dieses wunderbaren
Künstlers auseinandersetzen möchte, wird in folgenden Büchern sicher
viel Inspiration finden:
Alain Bernard - Choreograph und Jazztanz Pädagoge / Jan Stanislaw Witkiewicz
Jazz Dance Training / Dörte Wessel-Therhorn / ISBN 3-89124-302-2; in
diesem Buch wird die Unterrichtsmethode Alain Bernard detailliert vorgestellt.
Alain Bernard lebt heute zurückgezogen in Polen, wo er jahrzehntelang
das Tanzschaffen mit seinem Unterricht und seinen wunderbaren
Choreographien geprägt hat. So geht alles weiter....